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Serie A, Kammermusik
om97 / Band 6
Carl Höckh (1707–1773)
Sieben Parthien
nach dem Originaldruck Berlin (G. L. Winter) 1761
für 2 Vl und Bc
Herausgegeben von Phillip Schmidt
om97
ISMN M-700259-35-3
Partitur und Stimmen (Broschur), 48 Seiten
inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten 23,50 EUR

[…] Höckhs kammermusikalisches Œuvre setzt sich aus Sonaten, 24 Capriccios durch alle Tonarten für Solo-Violine (ohne B.c.), Violinsonaten mit B.c. sowie die hier edierten „Parthien“ für zwei Violinen mit B.c. zusammen. Die von Carl Philipp Emanuel Bach 1770 in Hamburg herausgegebene Sammlung Musikalisches Vielerley enthält drei Kompositionen von Höckh: im 4. und 5. Stück ist eine Violinsonate mit Generalbaßbegleitung in G-Dur abgedruckt, das 23. Stück enthält ein Violin-Solo (mit Basso) in C-Dur und im 40. und 41. Stück ist eine Parthie für zwo Violinen und Baß in d-Moll zu finden. […]

Es sind weitere Parthien größerer Besetzung überliefert. Im zweiten Teil des Breitkopf-Katalogs von 1762 werden „VII. Partite a due Violini et Basso, di Carl HOECKH. Maest. di Cap. di Pr. d’Anh. Zerbst“ (A, G, F, e, D, C, B) angezeigt, die heute als verschollen gelten müssen. Im Jahr 1761 publizierte Höckh Sieben Parthien von zweyen Violinen und Baß bei George Ludewig Winter in Berlin. Dieser Druck dient als Grundlage der vorliegenden Edition. Kurios an den Parthien ist die für das 18. Jahrhundert ungewöhnliche Anzahl. Die Sieben Parthien in A, B, C, D, e, F, g sind mit italienischen Tempovorschriften überschrieben und überwiegend in ihrer Satzfolge wie die moderne Triosonate nach dem Prinzip schnell – langsam – schnell strukturiert. Ausnahmen bilden die III. Parthie, bei der nach dem zweiten der erste Satz noch einmal erklingt und die IV. Parthie, deren Aufbau viersätzig ist. Den Schlusssatz bildet hier ein Tempo di Minuetto. Die Mittelsätze stehen zum Teil in der Tonart der Subdominante, in der vierten Parthie in der Varianttonart, in der sechsten Parthie in der Dominant-Tonart und in der letzten Parthie in der Tonart der Mediante. Eine überschwängliche, im Kern aber treffende Charakterisierung der Sieben Parthien findet sich bei Erich Schenk: „In den Finales klingt heiterer Ländlerton (2), innige Kantilene (6), die charakteristische Jagdstimmung der Giguenstilisierung (3), im Mittelsatz von 5 bereits der spezifische Mollton der Wiener Klassik auf und der Stirnsatz von 7 hat ein ausgesprochen Chr.-Bach-Mozartsches komplexives Thema. Derartiges wird man in Norddeutschland nur selten in solcher Häufung antreffen. Das Allegro von 1 bringt den durch Beethovens erstes Sinfoniefinale besonders bekannten, humorigen Solmisationsscherz-Anfang. Fröhliches Neapolitanertum der Motivik wie der im Schlußsatz von 6 zu beobachtende ‚A capella‘-Typ belegen die italienische Stilkomponente in Hoeckhs Instrumentalschaffen.“

Der Begriff Parthia oder Partita ist keineswegs als eindeutige Gattungsbezeichnung zu verstehen, vielmehr wird er als eine Art Sammelbegriff verwendet. Bei den vorliegenden Werken wird er auf einen Triosonatentypus mit zwei gleichberechtigten Violinen und Generalbaß, der seinerseits als Übergangsstadium zu den Sonatenformen der aufkeimenden Gattungen Streichtrio, Klaviertrio und Streichquartett zu deuten ist, appliziert.

(aus dem Vorwort von Phillip Schmidt)

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