Das Erscheinen des Violakonzerts in Es-Dur von Markus Heinrich Grauel im Jahr 2015 bildete den Auftakt einer Editionsserie beim ortus musikverlag, die sich bislang unbekannten Kompositionen für Bratsche aus den 1760er und 1770er Jahren des 18. Jahrhunderts widmete. Die Grundlage dafür boten größtenteils die zeitgenössischen Abschriften von Werken Berliner und Potsdamer Provenienz, die nach der Wiederentdeckung des lange Zeit verschollen geglaubten Notenarchivs der Sing-Akademie zu Berlin in Kiew 1999 und seiner Rückkehr nach Berlin wenige Jahre darauf wieder zum Vorschein kamen. So konnten in der Folge unter anderem kritische Ausgaben der Violakonzerte von Johann Gottlieb Graun (Es-Dur [GraunWV Cv:XIII:116], 2015), Carl Heinrich Hermann Benda (F-Dur, 2016), Ignaz Mara (Es-Dur, 2018) oder der Solosonate für Bratsche und Basso continuo von Franz Benda (c-Moll [LeeB 3.137], 2018) realisiert und vorgelegt werden. Alle diese Kompositionen zeugen von einer frühen Wertschätzung für das sonst fast ausschließlich zur Begleitung eingesetzte Mittelstimmeninstrument in den preußischen Residenzstädten.
Markus Heinrich Grauel wurde am 25. Februar 1720 in Beuernfeld bei Eisenach geboren und war der älteste Sohn eines Huf- und Waffenschmieds. Seine beiden jüngeren Brüder Johann David Grauel (1724–1780) und Johann Michael Grauel (1730–1791) sollten später ebenfalls musikalische Laufbahnen einschlagen. Grauel wirkte von 1743 bis zur Auflösung der Hofkapelle 1752/53 und darüber hinaus bis 1754 neben seinem Schwiegervater J. C. Hertel (der dort seit 1742 die Position des Konzertmeisters innehatte), dessen beiden Söhnen J. W. Hertel und Johann Christian Hertel d. J. (1729–1801) sowie seinem jüngeren Bruder J. M. Grauel vermutlich als Violinist und dann, nach längerer Abwesenheit in Berlin, noch einmal ab Anfang 1762 für kurze Zeit als Violoncellist in der neuen herzoglichen Hofkapelle von Mecklenburg-Strelitz. Um den Jahreswechsel 1763/64 nahm Grauel allerdings eine Stelle als Violoncellist in der preußischen Hofkapelle an. Diese Position sollte seine Lebensstellung werden. Etwa ein Jahr vor seinem Tod am 27. Mai 1799 war er pensioniert worden. Von seinem musikalischen Œuvre haben sich nur wenige Werke erhalten. Sie bestehen im Wesentlichen aus zwei Violinkonzerten, einem Violoncellokonzert und zwei Violakonzerten. Mit der Veröffentlichung des Konzerts in C-Dur liegen nun beide Bratschenkonzerte Grauels in kritischen Editionen vor.