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BESETZUNG
Sopran
Bariton
Kammerensemble
(Fl.Ob.Kl.Va.Vc.Kb.
2xPercussion.Piano.
Harmonium)
2 Tänzer
(Frau, Mann)
3 Sprecher sowie
ein elektroakustische
Zuspiel- und Video-
projektion.
Auftragswerk
für das neue
Schloßtheater
anläßlich der
Pfingstwerkstatt
2000 durch die
Musikakademie
Rheinsberg
Ensemble
SurPlus
Eiko Morikava
Sopran
Hagen Matzei
Bariton
3 Sprecher -
Maulwerker
Video: Norbert
Baumgarten
Regie: Aniara Amos
Leitung: James Averi
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Gedanken
zur Kammermusik in Bildern: Lilith
von Helmut Zapf
Die
Figur Lilith existiert in zahlreichen Legenden und Mythen. Ebenso zahlreich
und unterschiedlich sind dabei die Darstellungen über ihr Wesen. In
der altorientalischen Überlieferung ist sie ein weiblicher Dämon, im
Alten Testament wird sie nur einmal kurz als Bewohnerin eines von Gott
gestraften und zerstörten Landes erwähnt (Jesaja 34,14), im jüdischen
Volksglauben gilt sie als Adams erste Frau.
Meine
Auseinandersetzung mit der Figur Lilith begann durch das Kennenlernen
der gleichnamigen Prosaerzählung von Kerstin Hensel. Weiteres biographisches
Material über Lilith und den Schöpfungsmythos von Mann und Frau begegnete
mir unter anderen im Midrasch (hebräisch = Untersuchung), einer alten
Schriftensammlung jüdisch - rabbinischer Bibelauslegungen, die sich
mit ihren Kommentaren und Beschreibungen durchaus sehr weit von ihren
zu interpretierenden Bibeltexten entfernt. Im Zusammenhang mit der Schöpfungsgeschichte
beschreibt der Midrasch, im Gegensatz zu der alttestamentlichen Überlieferung,
daß Eva Adams erste Frau war, die gleichzeitige Erschaffung von Adam
und Lilith.
Gott schuf Lilith genauso wie Adam aus Staub und Erde. Diese körperliche
Gleichheit löste zwischen beiden ständigen Streit aus, denn Lilith weigerte
sich u.a. auch beim Beischlaf die Unterlegene zu sein, und sich
Adams Rhythmus anzupassen. Sie beanspruchte Gleichberechtigung. Als
Lilith erkannte, daß ihre Forderung von Adam nicht beachtet wurde, wandte
sie sich an ihren Schöpfer. Mit weiblicher List entlockte sie ihm sein
größtes Geheimnis, seinen Namen. Sie tat das Verbotene, indem sie ihn
bei seinem geheimen Namen nannte und befahl ihm ihr Flügel zu verleihen,
damit sie nicht mehr an den fruchtlosen Ort des Paradieses gebunden
war. Lilith entfloh zur Erde, in die Wüste und an die Ufer der Meere,
paarte sich dort mit Dämonen um ihre eigene Brut zu sichern. Fortan
wollte sie als ewige Rächerin die Nachkommenschaft der Menschen verhindern,
indem sie die unbeobachteten Säuglinge erwürge. Als Gott zwei Engel
entsandte, um Lilith in den Himmel zurückzuholen, damit sie keinen weiteren
Schaden anrichte, weigerte sie sich. Sie traf jedoch ein Übereinkommen
mit den Gesandten, welches besagte, daß jedes Neugeborene, das ein Amulett
mit ihren Namen trüge, von ihrer Rache verschont bliebe.
Eine andere Auslegung sagt: Gott schuf den Menschen männlich und weiblich,
einen Menschen mit zwei Gesichtern. Diese Einheit aber empfand Gott
als Beleidigung seiner eigenen Ganzheit, so gab er jedem Gesicht seinen
eigenen Rücken und es entstanden Mann und Frau aus einem Fleisch. Der
daraus berechtigte Anspruch Liliths auf Gleichheit führte wieder zum
Konflikt, welcher bereits zu Beginn der Schöpfung ihre gegebene Ordnung
stört, so fehlte nach der Flucht Liliths das andere bedeutende Glied
in der Schöpfung, Adams weiblicher Gegenpart. Adam forderte eine neue
Partnerin und Gott schuf ihm, wie es im zweiten Schöpfungsbericht des
Alten Testaments steht, aus der Rippe Adams Eva, einen Ersatz, ein Zugeständnis,
eine Gehilfin...
Für mich ist das Scheitern Liliths an Gottes Plan (oder das Scheitern
von Gottes Plan), ihre Flucht aus dem Paradies, ihre Suche nach Freiheit,
ein erster kreativer Prozeß zwischen Gott und dem Menschen. Dieser Prozeß
wurde und wird in allen Religionen, und seien sie noch so verschieden,
fast immer unterdrückt und der Widerspruch zu Gott als Ungehorsam, Zerstörung
und Verteufelung bezeichnet und ganz ins dämonische gerückt. Lilith
bleibt nach ihrer Flucht aus dem Paradies die ewige Zerstörerin.
So zahlreich wie die Mythen über Lilith auch sind, so zahlreich sind
auch die Geschichten über ihren Aufenthalt und ihr Wirken nach der Flucht:
Sie ist Dämonin in der Unterwelt, die Verführerin (Schlange, oder selbst
Eva) im Paradies sowie die Verführerin der Männer allgemein, auch wird
sie als das flammende Schwert vor den Toren des Paradieses bezeichnet,
von dort kann sie die aus dem Paradies verstoßenen Menschen bei ihrem
Treiben beobachten und weiterhin verführend und zerstörend eingreifen.
- Der Ausgang der Geschichte des ersten Menschenpaares wirft Fragen
auf: Warum fühlte sich Lilith unterdrückt und nicht Adam? Was unterschied
Adam von Lilith, wenn Gott doch beide gleich geschaffen hat? -
All die Widersprüche der einzelnen Mythen selbst und ihre vielen Erscheinungsformen
waren für mich schon sehr zeitig ein musikalischer Reiz, ohne dabei
mir im klaren zu sein, welche textliche und eventuell auch szenische
Umsetzung sich dadurch herauskristallisiert. Sehr bald aber war für
mich klar, daß Lilith und Eva nur durch ein und dieselbe Person in meiner
Komposition musikalisch dargestellt werden sollte, um den Prozeß der
Verwandlung durch Musik, Text und Szene als wichtiges Mittel der Interpretation
mir vorzubehalten und auch um eine übliche, auf der Bühne oft erprobte
Dreiecksbeziehung von vornherein auszuschließen. Auf diese Weise wird
die Verwandlung von Lilith in Eva Schwerpunkt meiner musikalischen Dramaturgie.
Besonders das Mittel der Elektroakustischen Musik erschien mir in diesem
Wechsel zwischen Lilith und Eva als geeignete und Raum schaffende Klangebene
gegenüber dem sonst musikalisch dominierenden Kammerensemble. Auch wollte
ich keine Oper schreiben, bei der die Sänger normalerweise von vornherein
als Schauspieler eingesetzt werden, vielmehr sollte das szenische Geschehen,
genau wie die Musik, nur ein poetischer Vorgang sein, dessen Bewegungen
weder die Musik noch die widersprüchliche Handlung nacherzählen bzw.
kommentieren. Die beiden Protagonisten werden durch zwei Tänzer dargestellt.
Den Prozeß der Entstehung, des Begehrens, des Scheiterns und der dadurch
begründeten Verwandlung wird in einem parallelen, von der Musik unabhängigen
Vorgang erzeugt.
Diese Aufteilung erscheint mir als geeignetes Mittel, den inhaltlichen
Konfliktstoff auch als Widerspruch szenisch geltend zu machen, da die
beiden Sänger getrennt von ihren szenischen Gegenparts wirken sollen.
- Musik und Regie können somit unabhängig voneinander existieren, aber
dennoch gemeinsam funktionieren. - Auf Grund dieser Überlegungen entfaltete
Kerstin Hensel ihre Erzählung als Libretto, welches derzeit von mir
und der Regisseurin Aniara Amos in einer Art Verarbeitungsprozeß umgesetzt
wird: Im Gegensatz zur traditionellen Operninszenierungen sollen alle
Ebenen autonom funktionieren, wobei das Libretto die Form des ERzählers
als weitere eigenständige Ebene zu Musik und Tanz provozierte: Eine
Videoprojektion (Norbert Baumgart) , welche sich zu den bereits dargestellten
Ebenen, Musik und Szene, abstrakt verhalten soll. Sie integriert sich
als visuelle Brechung des im Libretto fragmentarisch auftauchenden Schöpfungsberichts
und läßt im Verlauf des Stückes dessen sprachliches Erscheinen dennoch
offen. Ziel soll es sein, beim Zusammenspiel der verschieden Ebenen
dem Zuschauer die Vereinigung dieser klanglichen und optischen Räume
selbst zu überlassen, damit er in den Entstehungsprozeß des Stückes
mit einbezogen wird.
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