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Beethovens Missa solemnis gilt seit ihrer Entstehung und Drucklegung
als gleichermaßen bewundertes und umstrittenes Ausnahmewerk, für
dessen Verständnis weder allgemeine Gattungsmerkmale noch das übrige,
vorwiegend instrumentale Schaffen des Komponisten eine geeignete Basis
boten. Enorme technische Anforderungen an Sänger und Instrumentalisten,
aber auch die vermeintlich geringe Zahl der Aufführungen in den
ersten Jahrzehnten nach Beethovens Tod trugen nicht unwesentlich zu
ihrer Aura bei. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bestimmten die Vorstellung
von einer Säkularisierung der Gattung und Erklärungen als
persönliches Bekenntnis des Komponisten in verschiedenen Versionen
sowohl die wissenschaftliche Diskussion als auch die populäre Literatur.
Solche Theoreme entstanden aber kaum aus einem angemessenen Umgang mit
den Besonderheiten des Werkes, sondern füllten eher die Lücken
in einem bereits feststehenden Beethovenbild, in das sich die Missa
solemnis nur mit Mühe einfügen ließ.
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