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dem Vorwort von Christoph Henzel:
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Trios für zwei Melodieinstrumente und Basso continuo sind unter
dem Namen "Graun" überliefert. Die stattliche Anzahl
wie auch die Verbreitung der Kompositionen und nicht zuletzt ihre künstlerische
Qualität belegen die bedeutende Rolle, die die Gattung im Schaffen
der Brüder Carl Heinrich und Johann Gottlieb Graun einnahm. Die
späte Blüte der von Arcangelo Corellis klassischen Werken
wesentlich geprägten Triosonate in Norddeutschland wurde von ihren
Kompositionen mitgetragen. Kaum zufällig nehmen einige der mehr
oder weniger ausführlichen Darstellungen der Gattung in den musiktheoretischen
Lehrwerken des 18. Jahrhunderts ausdrücklich Bezug auf die Graun-Trios.
Erstmals geschah dies bei Johann Adolf Scheibe, der Carl Heinrich Graun
1739 attestierte, den "Endzweck des Kammerstyls", der darin
bestehe, die Zuhörer "zu ergetzen und aufzumuntern" ,
in seinen Trios vorbildlicher Weise zu erreicht zu haben: "Er ist
neu, zärtlich, schmeichelnd, und von einer ganz außerordentlichen
Lieblichkeit." Über 30 Jahre später betrachtete Johann
Adam Hiller Grauns Werke als ideale Verwirklichung der Anforderungen
der Gattung. Er grenzte dabei, an ältere Darstellungen anknüpfend,
die für sie grundlegende, auf zwei imitierenden Melodiestimmen
mit unterstützendem Generalbass beruhende Kompositionsweise von
moderneren homophonen bzw. virtuosen Konzepten ab. Der Rang von Grauns
Trios beruhte seiner Überzeug nach auf dem gelungenen Ausgleich
von kontrapunktischem Satz und expressiver Melodieführung: "Der
Gesang läßt sich nicht schöner, nicht reizender denken,
als man ihn in diesen Meisterstücken der Composition antrifft;
nur ein Graun, nur dieser große Meister des Contrapuncts, war
fähig, nach den strengsten Gesetzen der Nachahmung so rührend
und schön zu schreiben, und so viel Kunst in diese Stücke
zu weben, ohne daß man irgendwo den geringsten Zwang bemerkt."
Schon retrospektiv schließlich behandelte Heinrich Christoph Koch
das Trio 1793 in seiner Kompositionslehre. Er betrachtete Graun als
den letzten Klassiker der Gattung, deren Wesen er auf ähnliche
Art wie Hiller definierte. Auf dieser Grundlage hob er die Flötentrios
Grauns als beispielhaft hervor, "weil in denselben mit den schönsten
Nachahmungen aller Art [d.h. Imitationen, fugierten Abschnitten usw.]
der größte Reichthum der Harmonie, und die gefälligste
und schmeichelhafteste Melodie verbunden ist, die nicht blos dem Ohr
gefällt, sondern auch zugleich das Herz rührt."
[...]
Die in der Zuschreibung gesicherten Trios der Brüder Graun bilden
stilistisch einen geschlossenen Korpus, dessen Substanz von den zeitgenössischen
Musiktheoretikern als Synthese von Kontrapunkt und expressiver Melodie,
von Kunst und Natur, Tradition und Moderne beschrieben wurde. Tatsächlich
fällt auf, dass der imitierende Satz im Sinne des "Endzwecks
des Kammerstyls" durch Haltetöne, kurzgliedriges, quasi dialogisierendes
Zuspielen von Motiven und durch Abschnitte mit parallel in Terzen und
Sexten geführten Stimmen vereinfacht und fasslich gemacht wird.
Die Aufmerksamkeit richtet sich so auf die Melodie', die weniger
Gewebe als vielmehr ausdrucksvolle Kantilene ist. Freilich realisieren
die Brüder Graun diese Grundidee, die der zeitgenössischen
Forderung entsprach, dass sich in der Musik das fühlende Herz aussprechen
soll, in ihren Werken auf differenzierte Weise. So tendiert die melodische
Durchgestaltung der Sätze mal mehr zur Einheitlichkeit und ein
anderes Mal mehr zur Vielfalt. Auch fällt die Beteiligung der Bassstimme
unterschiedlich aus und gelegentlich machen sich virtuose spieltechnische
Elemente bemerkbar. Nicht zu übersehen ist die Entwicklung von
der Viersätzigkeit (langsam - schnell - langsam - schnell) zur
Dreisätzigkeit (langsam - schnell -[sehr] schnell). Während
10 der 27 Carl Heinrich Graun zugeschiebenen Trios viersätzig sind,
trifft dies nur für drei der 51 Werke Johann Gottlieb Grauns zu;
eines davon rechnet zum Frühwerk. Seine sich bis in die 1750er
Jahre, vielleicht sogar 1760er Jahre erstreckende Beschäftigung
mit dem Trio geht mit einer klaren Präferenz für die moderne
dreisätzige Form einher. Im Unterschied freilich zum Sonatenzyklus
liegt das musikalische Schwergewicht seiner Trios auf dem langsamen
Kopfsatz, deren kompositorischer Komplexität und Ausdruckskraft
in den nachfolgenden raschen Sätzen quasi als Ausgleich ergötzlichere'
tänzerische oder scherzhafte Charaktere an die Seite gestellt werden.
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